Bei der bildhauerischen Arbeit am Block geschieht etwas an und mit der menschlichen Seele.
Wenn ich beschreiben wollte, was da geschieht, müsste ich Poet, Philosoph oder Psychologe sein. Da ich das alles nicht bin, muss ich weiter Bildhauer sein.
Bei der bildhauerischen Arbeit am Block geschieht etwas an und mit der menschlichen Seele.
Wenn ich beschreiben wollte, was da geschieht, müsste ich Poet, Philosoph oder Psychologe sein. Da ich das alles nicht bin, muss ich weiter Bildhauer sein.

Am Anfang ist ein Block (ein gesägter Steinblock, ein polymorpher Steinblock, ein Stück Holz, ein zusammengefügter Block aus Stein und Holz, um meine Lieblingsblöcke zu nennen).
Finden des Blocks: Diesen finde ich, oder vielleicht findet er mich? Manche kommen als Geschenke.
Im Block ist die freizulegende, zu gestaltende, zu findende Skulptur bereits enthalten, er gibt ihre dreidimensionalen Außengrenzen vor.
Erkunden des Blocks: Wie klingt das Material beim Bearbeiten mit welchem Werkzeug? Wie weich/hart ist es an welcher Stelle? Wo gibt es nach? Wie lässt es sich formen? Dies mit der Sehweise des „offenen Blicks“ (subjektivierendes Sehen, „wo“-Modus, oder „schauen“ im Unterschied zum „anblicken“ –siehe meine Bücher zum Sehtraining, z.B. „Augenschule mit Farbtherapie“). Das schließt alle Sinneswahrnehmungen mit ein. Nach spätestens zehn Minuten Erkundungsarbeit am Block ist der Kopf leer. Es entsteht ein ganzheitlicher Wahrnehmungsraum, den Bildhauer und Block teilen.
Gestalten des Blocks: Oft entsteht beim Erkunden des Blocks eine Anfangsidee, eher eine Empfindung als ein Bild oder eine Eingebung oder eine Offenbarung. Der Block füllt sich aus den äußeren Reflexen von Klang und Geruch und haptischen Empfindungen beim Klopfen, Sägen, oder Schleifen mit Energie (gesammelte dreidimensionale Aufmerksamkeit). Die optischen Reflexe von Licht und Schatten auf den Oberflächen regen den Form- und Gestaltungssinn an. Es bildet sich ein „Flow“, ein Rhythmus von Bearbeitungsimpulsen. Diese Impulse durchströmen den ganzen Körper. Die Wahrnehmung öffnet sich nach innen und nach außen. Es entsteht eine „beobachtende Wahrnehmung“, die alles Innere und alles Äußere einbezieht. Erste Form- und Gestaltungsideen entstehen (und vergehen- sie zu früh zu fixieren würde nicht zu einer Ganzheit der Form, einer vollendeten Skulptur führen, das habe ich oft schmerzhaft feststellen können). Ganzheitliche Formimpulse beziehen bewusste Fantasien, Ideen, Gedanken mit ein, lassen aber auch Raum für spontane, unbewusste Impulse, die oft überraschend, unerwartet, manchmal auch überwältigend sind, das heißt sie setzen sich gegen die bewussten Impulse oft durch.
Entdecken der Skulptur: Das geschieht früher oder später spontan in einem „heureka“-Augenblick. Manchmal auch in einem Traum. Die Skulptur „erscheint“ als Bild, als vollkommene Idee, als Offenbarung.
Vollenden der Skulptur: Ist vor allem Handwerk und erfordert Zeit und Geduld.