Werkstoff: portugiesischer Marmor
Maße: ca. 140 x 85 x 60 cm
Jahr: 1999 – 2001
– verkauft –
Ikarus
Der Stein lag, wahrscheinlich schon zur Zeit der Entstehung der Ikarus-Legende, im Mittelmeer vor Portugal. Das Wasser des Meeres hat den Stein über Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende geformt, charakteristisch ausgehöhlt und zum Teil durchspült.
Ich folgte beim Bearbeiten des Steines zunächst nur den vorgegebenen Linienführungen und Flächen. Im Verlauf des Verstärkens und Glättens der am Stein durch das Wasser vorgeprägten Formen schälte sich für mich eine liegende Gestalt heraus. Das Bild des auferstehenden – nicht des sterbenden- Ikarus kam mir in den Sinn. Danach war es einfach, die Formgebung zu vollenden. (Michelangelo sagte einmal, er nehme beim Stein nur das weg, was nicht zur Skulptur dazugehöre).
Der Ikarus der Antike ist der jugendliche, unreife, in gewisser Weise unbewusste Mensch, der auf die visionäre Technik seiner Zeit -künstliche Flügel- zurückgreifen konnte, die ihm sein Vater Daedalus, ein genialer Erfinder, zur Verfügung stellte, um damit seine Freiheit und die seines Sohnes zu erreichen, die beide von König Minos im Labyrinth von Knossos auf Kreta in Gefangenschaft waren; und der damit – aus Überschwang, aus Übermut, Grenzen überschreitet: Er kommt dem Feuer, der Sonne, zu nahe, das Wachs, mit dem die Federn seiner Flügel befestigt sind, schmilzt, er stürzt ins Wasser, ertrinkt.
Für mich hat dieser Ikarus durch das Meer und im Stein eine Wandlung erfahren.
Der Ikarus, den das Meer im Stein wieder freigibt, ist der geläuterte, der gereifte, der bewusstere Ikarus, der, immer noch und mehr denn je vom Willen zur Freiheit beseelt, seine Grenzen und Möglichkeiten erforschen will, der aber mit mehr Achtung, vielleicht auch Demut den Kräften der Natur begegnet. Er will mit ihrer Hilfe in Einklang mit den Kräften der Natur bleiben, weiter auf der Suche nach Freiheit.
Er ist, wenn ich ihn so anschaue, der auferstehende, aufstrebende Ikarus, berstend vor Energie und Tatendrang, bereit, sich in ein neues Abenteuer, das Abenteuer des Lebens, zu stürzen.







