Werkstoff: Carrara-Marmor
Maße: ca. 60 x 60 x 50 cm
Jahr: 2003
Im Rahmen eines Kunstmietvertrages von 2012 bis 2020 am Eingang der Bundesanstalt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Eschborn.
Seit 2023 im Kurpark Bad Vilbel.
Satyr
Die Skulptur entstand aus dem größeren Teil eines Blockes Cararra-Marmor, der zu schwer für den Transport war und daher geteilt wurde. Allein der Prozess des Teilens ist eine spannende und sinnliche Erfahrung: Es werden Löcher ringsum gebohrt, in die Rundkeile gesetzt werden. Diese werden mit Hammerschlägen immer tiefer in den Stein getrieben, wobei die dabei erzeugten Schwingungen immer höhere Spannungen im Stein erzeugen, die als Töne hörbar werden. Am Ende geht, mit einem leichten Hammerschlag, ein Riss durch den Block, und der Stein teilt sich.
Die Arbeit am Stein erfolgte wiederum fast ausschließlich mit Hammer und Meißel, über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren hin, in der „Offenen Werkstatt“ von Joachim Kreutz in Frankfurt-Niederursel, am Rande der Großstadt, umgeben von Pferdeweiden. Es gab Zeiten, an denen ich nur ein- bis zweimal wöchentlich am Stein arbeiten konnte, dann auch wieder wochenlang nicht, zu manchen Zeiten aber auch einige Tage hintereinander am Stück.
Dem Stein und mir selbst taten die Pausen gut. Ohne Zeit- und Ergebnisdruck künstlerisch tätig sein zu können, ist ein Privileg, das ich sehr schätze und nicht missen möchte.
Die Idee eines Satyrkopfes entstand relativ früh, da der Stein durch seine Beschaffenheit mir ein Muster anbot, dem ich folgen konnte. Dass er zwei sehr unterschiedliche Seiten zeigen würde, wurde mir erst relativ spät klar. Ich liebe die Spannung zwischen Gegensätzen, und von daher war es eine großartige Herausforderung, von beiden Seiten her auf das Gesicht mit Nase, Mund und Augen hinzuarbeiten, das die beiden unterschiedlichen Ausdrücke- eine Seite mit mehr menschlichen Zügen, eine mit mehr tierischen – vereinigen musste.
Der Satyr, halb Mensch, halb Tier. In der griechischen Mythologie Symbol der Ausgelassenheit und Sinnlichkeit des Lebens.
Animalische Triebkräfte stehen im Gegensatz- und verbinden sich- mit humanen Gesichtszügen.
Diese Spannung durchdringt den Stein vollständig. Es gibt keine Symmetrie. Jede Ansicht offenbart neue Gegensätze und neue Verbindungen. Der Ausdruck bleibt durch und durch ambigue. Die Züge drücken je nach Blickwinkel mildes Staunen oder grimmige Entschlossenheit aus.
Der Hals ist nur grob behauen und wirkt wie ein Fels, aus dem der Kopf herauswächst.





