Werkstoff: Carrara-Marmor
Maße: ca. 50 x 60 x 40 cm
Jahr: 2005
Stand von 2015 bis 2020 im Rahmen eines Kunstmietvertrages vor dem Eingang der Bundesanstalt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Eschborn.
Seit 2023 zusammen mit der Skulptur „Satyr“ im Kurpark Bad Vilbel.
Nixe
Die „Nixe“ ist aus demselben (geteilten) Block Marmor entstanden, wie der „Satyr“.
Dieser Stein erlebte eine erstaunliche Umwandlung. Nach dem ersten „Schälen“ des Steins – das ist die Entfernung der äußeren, schon etwas durch die Lagerung verwitterten Schicht, bei der sehr viel erfahrbar wird über die Beschaffenheit , Qualität und Eigenschaften des Steins, auch eventuelle Mängel- war die „Erste Idee“ (die oft, aber nicht immer die entscheidende ist), dass darin ein Vogel – ein Adler- angelegt sein könnte.
Doch als ich den vermeintlichen Adlerkopf herauszuarbeiten begann, hatte der Stein just an dieser Stelle einen feinen Riss, so dass er dort brach, wo der Schnabel hätte sein müssen. Mit solchen Enttäuschungen muss man als Bildhauer lernen zu leben. Was weg ist, ist weg. Der Stein wollte also kein Vogel werden. (Das Vogelthema war dann einem anderen, späteren Stein vorbehalten, und wurde als „Sonnenvogel“ 2014 vollendet.)
Ich liess also wieder alle inneren Bilder los (nicht ganz freiwillig) und begann von Neuem, den Stein zu erkunden und mit Klöpfel und Meißel von allen Seiten „zu befragen“.
Er „antwortete“ mit einem zarten weiblichen Gesicht an der Stelle, an der Adlerkopf (nun ohne Schnabel) hätte sein sollen. Als ich es herausarbeitete, folgte eine wallende Haarpracht, ein mädchenhaft kleiner Busen und ein massiger Unterleib – und wieder hatte ich ein Zwitterwesen vor mir. Aber ein Fischschwanz war in dem noch kompakten, massigen Block, aus dem der Unterleib bestand, noch nicht sichtbar.
Wieder war eine längere Pause notwendig, bis in einer plötzlichen Eingebung das Bild einer kleinen Nixe, die auf ihrem massigen Fischschwanz wie auf einem Hocker sitzt, kam. Die Vorstellung, wie der Schwanz dann von allen Seiten stimmig auszusehen hat, war dann eine größere Herausforderung.
Ganz zum Schluss, im Wellenmuster am Fuß der Nixe, blickte mich im Stein das Gesicht eines Jünglings an, das noch herausgearbeitet werden wollte.
Da kannte ich noch nicht die Ballade „Der Fischer“ von Goethe, und auch nicht das Märchen der Gebrüder Grimm („Nixe am Teich“) für die diese Nixe ein Sinnbild sein kann.
Goethe: Der Fischer
Das Wasser rauscht‘, das Wasser schwoll,
Ein Fischer saß daran,
Sah nach dem Angel ruhevoll,
Kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt und wie er lauscht,
Teilt sich die Flut empor:
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.
Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
»Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz und Menschenlist
Hinauf in Todesglut?
Ach wüsstest du, wie’s Fischlein ist
So wohlig auf dem Grund,
Du stiegst herunter, wie du bist,
Und würdest erst gesund.
Labt sich die liebe Sonne nicht,
Der Mond sich nicht im Meer?
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht
Nicht doppelt schöner her?
Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das feuchtverklärte Blau?
Lockt dich dein eigen Angesicht
Nicht her in ew’gen Tau?«
Das Wasser rauscht‘, das Wasser schwoll,
Netzt‘ ihm den nackten Fuß;
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll
Wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
Da war’s um ihn geschehn;
Halb zog sie ihn, halb sank er hin
Und ward nicht mehr gesehn.






